Der Park von Rusovce: Natur
Tierwelt

Parks, Ziergarten und alte Friedhöfe sind kostbare und auserwählte Lebensräume für eine Reihe von Tierarten. Der Park von Rusovce ist da keine Ausnahme. Auch er ist Heim und Zufluchtsort für seltenere sowie geläufigere Tierarten.

Als auffälligste erscheint die Vogelwelt, die wir gleich nach Betretten des Parkareals wahrnehmen. Hier und da erblicken wir die Kohlmeise (Parus major L.), die Blaumeise (Parus caeruleus L.) und die Sumpfmeise (Parus palustris L.). Leicht erkennbar ist der Buchfink (Fringilla coelebs L.) charakteristich mit seiner markant weisen Schweiffassung. Zu den häufigsten Parkbewohnern gehören die Spechtmeise (Sitta europaea L.), die gut bekannte Schwarzamsel (Turdus merula L.) und ihre Verwandte, die Drossel (Turdus philomelos Brehm, 1831). Auffällig ist der seltenere Fliegenschnäpper (Muscicapa striata Pallas, 1764). Er sitzt auf den unteren Baumästen und hält Ausschau nach vorbeifliegenden Insekten, die er dann akrobatisch in der Luft fängt. Den Großteil der Singvögel (im Park von Rusovce leben über 30 Arten) bemerkt der Besucher gar nicht, aber sehr wahrscheinlich wird er sie hören. Es ertönen Schwarzplätchen (Sylvia atricapilla L.), Zilpzalpe (Phylloscopus collybita, Vieillot, 1817), Goldamsel (Oriolus oriolus, L.), Glockenvögel (Chloris chloris, L.), Hänflingen (Carduelis cannabina L.).

In der Winterzeit verläst ein Teil der Vogelarten den Park und migriert in Richtung Süden. Umgekehrt ziehen zu uns zum Überwintern Vögel vom Norden und aus höheren Lagen. Vom November bis März erblicken wir winzige Wintergoldhänchen (Regulus regulus, L.), Zaunkönige (Troglodytes troglodytes L.), Dompfaffen (Pyrrhula pyrrhula L.) und Wacholderdrossel (Turdus pilaris, L.).

Als vermutlich auffälligste Vogelart gelten im Park die Kohlraben (Corvus frugilegus, L.). Sie sind gesellige Vögel, die ihre Nester in den mächtigen Platanebäumen aufbauen. Verwechseln wir sie nicht mit den Krähen (Corvus corone cornix, L.), die ihre Nester einzeln bauen und anders gefärbt sind. Im Park von Rusovce lebt noch eine weitere Kolkrabenart - die Dohle (Corvus monedula, L.). Sie ist um ein Drittel kleiner als die vorher genannten Arten und nistet in Baumhohlräumen, oft mehrere Paare nebeneinander.

Die zweite auffällige Vogelgruppe sind die Spechte. Sie fesseln durch ihre Größe, ihren bisschen schwerfälligen, geräuschvollen Flug, hauptsächlich aber durch ihr Verhalten. Im Park von Rusovce finden wir gleich sechs Arten: den Buntspecht (Dendrocopos major L.), Mittelspecht (Dendrocopos medius, L.), Kleinspecht (Dendrocopos minor, L.), Blutspecht (Dendrocopos syriacus, L.), Grünspecht (Picus viridis, L.) und unseren größten Spechtvertreter - den Schwarzspecht (Dryocopus martius, L.). Der nächtliche Park ist das Königreich für zwei Arten von Eulen - der Waldeule (Strix aluco, L.) und der Waldohreule (Asio otus, L.).

Säugetiere, die im Park leben, sind hauptsächlich durch Nacht- und Nachtanbruchtierarten vertreten. Nur selten können kleine Insektenfresser (Spitzmaus, Gartenspitzmaus, Wasserspitzmaus) oder winzige Nagetiere (Waldmaus, Rotkopf und Schermaus) beobachtet werden. Maulwurfshügel sind untrüglicher Beweis für die Anwesenheit des Erdmaulwurfes (Talpa europaea, L.). Am frühen Abend kann man den Ostigel (Erinceus concolor, Martin 1838) erblicken. Zu den Säugetieren mit Tagesaktivität gehören die Eichhörnchen (Sciurus vulgaris, L.), im Park kommen beide Färbungen (rostbraun und dunkelfarbig) vor. Im Flussarm von Rusovce lebt die Bisamratte (Ondatra zibethica, L.). Sie gehört nicht zu unseren ursprünglichen Tierarten, sondern wurde aus Nordamerika importiert und hat sich erfolgreich akklimatisiert.

Auch den Flattertieren bietet der Park einen geeigneten Wohnraum. Am Abend fliegen hier Nachtviolen (Eptesicus serotinus, Schreber 1774), Große Abendsegler (Nyctalus noctula, Schreber, 1774) Zwergfledermäuse (Pipistrellus pipistrellus, Schreber, 1774) und über dem Wasser Flugfische (Myotis daubentoni, Kuhl, 1819) herum. In verlassenen Kellerräumen anliegender Wohnsiedlungen wurden Winterquartiere weiterer drei Arten entdeckt, das Braune Langohr (Plecotus auritus, L.), das Graue Langohr (Plecotus austriacus, Fischer, 1892) und das Flattertier (Myotis myotis, Borkhausen, 1797).

Vergessen sollten auch nicht die Vertreter der Amphibien und Reptilien werden. In den umliegenden Wasserreservoiren und Donauarmen leben die immer selteneren Teichmolche (Triturus sp.); während die Wasserfrösche (Rana esculenta, L.) und Wetterfrösche (Hyla arborea L.) verhältnismäßig reich vertreten sind. Geeignete Biotope als Lebensraum findet die Erdkröte (Bufo bufo L.) und der Laubfrosch (Bufo viridis Laurenti 1768). Überwiegend mit Lurchen ernährt sich die Ringelnatter (Natrix natrix, L.), zahlreichste Schlangeart in der Slowakei. An trockenen und lichten Plätzen treffen wir auf Zauneidechsen (Lacerta agillis, L.).

In der Vergangenheit war das Donauarmsystem die Heimat unserer einzigen Schildkröte, der Sumpfschildkröte (Emys orbicularis, L.). Anwesenheit und Anzahl ihrer Population im Gebiet von Rusovce sind aber umstritten.

Der Park von Rusovce ist eine Stelle, wo die Welten von Mensch und Technik mit Natur und Tier zusammen treffen. Zeigen wir daher Verständnis, Verantwortung und Rücksicht. Dieses Verhalten soll uns nicht nur durch die Tatsache aufgedrängt werden, dass die Mehrzahl der genannten Tierarten gesetzlich geschützt ist.

Michal Noga
Botanik

Cyklámen purpurový (Cyclamen purpurascens Mill.) Bestandteil des Schlosses ist der Schlossgarten mit dem angrenzenden Waldpark, der eine Fläche über 40 ha einnimmt. Die Wälder in der Umgebung des Sitzes und des angrenzenden Gebietes wurden schrittweise von den einzelnen Besitzern in einen Park umgestaltet, heimische Holzarten wurden durch verschiedene exotische Arten, die wir auch heute hier sehen können, ersetzt.

Der bedeutendste Umbau des Schlosses sowie des Gartens fand in der Mitte des 19. Jahrhunderts statt, wo der gesamte Komplex im romantischen Baustil der englischen Neogotik umgebaut wurde. In diesem Geiste wurden auch die angrenzenden Gebiete der ursprünglichen Wälder umgestaltet.

Tavolín zimný (Eranthis hiemalis (L.) Salisb.) Die Gesamtszenerie des Schlossparks wurde durch interessante Anlagen, wie den Japanischen und den Rosengarten, sowie durch attraktive architektonische Elemente (wie Laubengänge, Rastecken, Fontane, Pferdestall, Wasserturm u.a.) bereichert. Ein bedeutender Bestandteil des Parks ist der Entwässerungsarm der Donau - der Wasserkanal von Rusovce, früher oft für Bootsfahrten genutzt. Drei Überbrückungen führen in das angrenzende Waldparkgebiet, das allmählich in die umliegenden Felder und Wälder übergeht.

Aus dehndrohlogischer Sicht bilden die Parkdominante die mächtigen Exemplare der Rostkastanie (Aesculus hippocastanum L.). In den letzten Jahren ist aber der Großteil der Rostkastanienpopulation in Europa arg beschädigt durch die Rostkastanie Miniermotte (Cameraria ohridella Deschka et Dimic), sowie durch verschiedene Pilzschädlinge.

Snezienka elwesova (Galanthus elwesii Hook.f) Schön und majestätisch wirken Ahornblättrige Platane (Platanus hispanica Münchh.). Sie gehören zu den attraktivsten und gleichzeitig widerstandsfähigsten Holzarten im Park. Weiterst können wir Kompositionen mit Eiben (Taxus baccata L.) und Buchsbäumen (Buxus sempervirens L.) entdecken. Die Baumpflanzungen ergänzen Linden, Ahorne, Eichen, Lederhülsenbäume sowie andere Zierholzarten.

In den Frühlingsmonaten können die Parkbesucher die ungewöhnliche Schönheit der Pflanzen genießen, welche als Unterwuchs gepflanzt wurden und sich inzwischen ausgebreitet haben.

Im Januar erscheinen als erste die leuchtend gelben Blumen der Winterlinge (Eranthis hyemalis (L.) Salisb.), selten auch die größeren Verwandten unseres Schneeglöckchens (Galanthus nivalis L.), die großblütigen Schneeglöckchen (Galanthus elwesii Hook.f).

Modravka ziarivá (Chionodoxa lucilie Boiss.) Im Verlauf der Monate März und April erblüht im Park eine blaue Pracht der Blausterne, Schneeglanze und Veilchen. Außer dem allgegenwärtig natürlich vorkommenden Blaustern (Scilla vindobonensis Speta), erblühen die dunkelblaufarbigen Glocken des sibirischen Blausterns (Orthocallis sibirica (Haw.) Speta) und der dem Blaustern verwandte Schneeglanz (Chionodoxa lucilie Boiss.). Die farbige Vielzahl ergänzen die in der Slowakei ursprünglichen Buschwindröschen, und zwar das weiße Buschwindröschen (Anemone nemorosa L.) und das gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides L.), welche sich im ganzen Parkgebiet ausgebreitet haben. Im Ostteil des Parks kann man die Apennin Anemone (Anemone apennina L.) erblicken mit violettblauen und weißlichen Blüten, die ihren Ursprung in Italien hat. Zum Erwähnen ist auch das dem Vergissmeinnicht ähnelnde Kaukasus Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla (Adams) I. M Johnst.). Es hat einen reichlichen Bestand in der Nähe der ersten Brücke. Während der Sommermonate erblüht im Schatten der Bäume das Wilde Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens Mill.) mit silbergezierten Blättern.

Pokrut jesenný (Spiranthes spiralis (L.) Chevall.) Der Waldpark, der sich hinter dem Kanal von Rusovce erstreckt, ist hauptsächlich für Erholungszwecke genutzt. Das gesamte Areal schmücken frei wachsende Arten von Ziersträuchern und Gehölzen, die Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt wurden.

Aber nur wenige wissen, dass die hiesigen Waldsteppenbunde eine kostbare warmfreundliche Fauna und Flora beherbergen. Aus botanischer Sicht gelten als interessant die Trockenwiesen mit niedrigen Seggearten - Riedgras, Federgras, Milchkraut und gesetzlich geschützten Vertretern der Orchideengewüchse (Orchidaceae). Von unseren Orchideen wächst hier der Hundswurz (Anacamptis morio (L.) R. M. Baterman, A. M. Pridgeon et W. Chase) und das Helmknabenkraut (Orchis militaris L.), seltener ist die schwärzliche Waldwurz (Neotine ustulata (L.) R. M. Baterman, A. M. Pridgeon et W. Chase). Zugleich befindet sich hier eine der wenigen slowakischen Lokalitäten der kritisch gefährdeten Arten, der rotköpfigen Spitzorchidee (Anacamptis coriophora (L.) R. M. Baterman, A. M. Pridgeon et W. Chase) und des unauffälligen Herbst- Drehwurzes (Spiranthes spiralis (L.) Chevall.).

Vstavac vojenský (Orchis militaris L.) An schattigen Stellen findet man das weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce), das langblättrige Waldvögelein (Cephalanthera longifolia (L.) Fritsch) und den breitblättrigen Stendelwurz (Epipactis helleborine (L.) Crantz).

Ständige aber auch gelegentliche Besucher bemerken sicherlich, wie groß die Biodiversität des Parkareals ist. Zugleich ist sie aber sehr verletzlich. Wir sollten uns daher gegenüber ihr rücksichtsvoll benehmen. Es steht die Tatsache zur Erwägung, dass eine Anzahl der hier wachsenden Pflanzenarten gesetzlich geschützt ist. Gleichzeitig muss zur Kenntnis genommen werden, dass eine Vielzahl beliebter, hauptsächlich im Frühling blühender Blumen (Schneeglöckchen, Buschwindröschen, Blausterne und andere), giftig ist.

Mgr. Marek Slovák
FOTOS ORCHIDEEN - Kolník
FOTO EICHHÖRNCHEN - Tomáš Fraňo